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Gedanken zum Internationalen Frauentag

frauentag 2021Frauentag – wahrlich kein Grund zum Feiern. Seit mehr als 100 Jahren gibt es diesen Tag schon und dennoch zeichnet die Realität auch in unserem „fortschrittlichen Land“ ein düsteres Bild.

52 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind Frauen: ihr Verdienst beträgt hierzulande bei gleicher Qualifikation durchschnittlich 20 Prozent weniger als der ihrer Kollegen, sie sind mit nur 11,5 Prozent in den Vorständen der 100 größten deutschen Unternehmen vertreten, aber stemmen mit einem Anteil von 81,8 Prozent die medizinischen Gesundheitsberufe und stellen zu 71,5 Prozent der Beschäftigten in Verkaufsberufen unter anderem die Nahversorgung sicher. Unverständlich, dass Frauen immer noch die größte Gruppe im Niedriglohnsektor bildet? Tatsächlich arbeiten in diesem 2,5 Millionen Frauen. Zählt man Teilzeitkräfte und Mini-Jobber dazu, sind sogar zwei Drittel der Geringverdiener weiblich. Jede dritte Frau mit einer Vollzeitstelle bezieht lediglich einen Niedriglohn. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung hervor.

Unverständlich auch, dass Frauen für die gleiche Arbeit noch immer deutlich weniger Lohn erhalten. Für die Haus- und Sorgearbeit, für welche Frauen auch im 21. Jahrhundert – bis auf wenige Ausnahmen - weiterhin zuständig sind, erhalten sie in der Regel keine Entlohnung. Die Berücksichtigung der Erziehungszeiten im Rentensystem sind allenfalls ein Tropfen auf dem heißen Stein, der verdampft ist bevor er diesen berührt. Frauen kümmern sich um Kinder und Alte, Kranke und nicht zuletzt um ihre Männer, wofür sie im besten Fall Dank und Zuwendung, im schlechteren Missachtung und Gewalt erfahren.

Somit ergibt sich auch zum diesjährigen Internationalen Frauentag ein ernüchterndes Bild.

Beispiele gefällig?

Eine Bankkauffrau verdient in den ersten drei Jahren im Schnitt 105 Euro (4,1 Prozent) weniger als ihr männlicher Kollege. Dieser Abstand steigt in der Gruppe der Beschäftigten mit vier bis zehn Berufsjahren weiter auf 217 Euro (7,4 Prozent) an.

Juristinnen verdienen laut Spiegel online im Schnitt zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn 7,3 Prozent weniger als Männer. Sie verdienen in den ersten drei Berufsjahren im Schnitt 3.207 Euro und somit rund 1.252 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen. Bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren wächst der Abstand sogar auf 12,4 Prozent. Juristinnen verdienen dann im Schnitt 3.845 Euro, Juristen 4.391 Euro.

In anderen Berufsfeldern sieht es ähnlich aus.

Und Hand aufs Herz: Mit einem gesetzlichen Mindestlohn von 9,50 € im Jahr 2021 ändert sich nichts daran, dass in Deutschland viele Frauen nach einem arbeitsreichen Leben in die Falle „Altersarmut“ tappen. Und die Grundrente: Laut Ministerium, soll eine Floristin, die nach 40 Jahren Vollzeit-Arbeit derzeit eine Rente von 547,04 Euro erhält, künftig 965,87 Euro im Monat bekommen. Na, herzlichen Glückwunsch.

Angesichts dieser Tatsachen wird deutlich, dass es noch ein weiter Weg ist, bis es nicht nur eine theoretische, sondern eine real existierende Gleichberechtigung gibt. Dabei geht es übrigens nicht nur um Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, sondern um die Aufhebung der Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnisse zwischen den Menschen.

Traurig aber wahr: Im europäischen Vergleich gehört Deutschland zu den Schlusslichtern bei der Gleichstellung der Geschlechter. Und das, obwohl Frauen die Männer in den letzten Jahren bildungspolitisch ein- und überholt haben.  Frauen sehen sich im Berufs- und Familienleben immer noch mit struktureller Diskriminierung und einer traditionellen Geschlechterordnung konfrontiert.

Wenn Frau daran etwas ändern will, darf sie sich nicht auf das Wohlwollen der Männer verlassen. Statt halbherzige Gratulationen entgegenzunehmen und sich im besten Fall mit einem Blümchen abspeisen zu lassen, sollte Frau sich verstärkt in die Politik einmischen und das Thema Gleichstellung der Geschlechter selbstbewusst angehen. Ganz im Sinne der Sozialistinnen Clara Zetkin und Käte Duncker, die sich auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen für die Einführung eines internationalen Frauentages einsetzten.

Seinerzeit lautete der Beschluss: „Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient. […] Der Frauentag muß einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten.“

An Glückwünsche und Blumen haben diese Kämpferinnen dabei sicher nicht gedacht.

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